Die Forschungsgruppe Mikrotechnik und Sensorik der Technischen Hochschule Ulm (THU) arbeitet seit rund einem Jahr an Methoden zur Unterwasserbildgebung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Detektion sogenannter Geisternetze – im Fachjargon „Abandoned, Lost or otherwise Discarded Fishing Gear“ (ALDFG). Diese verlorenen oder entsorgten Fischereigeräte stellen weltweit eine Gefahr für Meeresökosysteme dar. Mithilfe moderner Sonartechnik entwickelt das Team Verfahren, um solche Objekte unter Wasser zuverlässig zu erkennen und zu dokumentieren.
Einen wichtigen Meilenstein erreichte die Forschungsgruppe um Prof. Dr.-Ing. Thomas Walter und Doktorandin Sabrina Lennartz nun im portugiesischen Peniche. Anlass der Reise war ein Symposium des Schweizer Vereins Redes Fantasma in Lissabon, welcher auch zur Finanzierung des Forschungsprojektes an der THU beiträgt. Gemeinsam mit der portugiesischen Ocean Patrol Association bringt die Initiative Menschen zusammen, die sich aktiv gegen die Verschmutzung der Meere durch Müll und Geisternetze engagieren.
Für die Tests in Peniche wurden im Hafen gezielt Tintenfischkörbe sowie ein Fischernetz versenkt. Anschließend erfassten die Forschenden die Objekte mit einem SideScan-Sonar, welches orthogonal zur Trajektorie des Bootes ausgerichtet wird, womit große Flächen mit gleichzeitig hoher Auflösung gescannt und untersucht werden können. Unterstützt wurde das Team von einem lokalen Fischer, der sein Boot, seine Erfahrung sowie zusätzliche Sonartechnik zur Verfügung stellte. Bei den verschiedenen Versuchen konnte gezeigt werden, wie sich bodennahe Objekte von Objekten in der Wassersäule unterscheiden und welche spezifischen Charakteristiken die verschiedenen Fanggeräte aufweisen. Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage für die kommende Forschung, um Geisternetze durch bildgebende Sonartechnologie und Algorithmen besser automatisch detektieren und klassifizieren zu können.
„Viele unserer Messungen finden in Pools statt, wo zwar sehr gut kontrollierte Versuche durchgeführt werden können, jedoch nur unter bedingt realen Bedingungen. Deshalb sind solche Messungen im Meer oder in größeren Seen von großer Bedeutung für uns. In Peniche konnten Teile unserer Sensorik zum ersten Mal unter realen Bedingungen getestet und Daten gesammelt werden. Zudem ermöglichte uns das Wissen und die Erfahrung der unterstützenden Partner, Herausforderungen der Unterwasserbildgebung im offenen Gewässer schnell kennenzulernen.“
Die gewonnenen Erkenntnisse sollen künftig dazu beitragen, Geisternetze und andere Unterwasserobjekte schneller und zuverlässiger aufzuspüren – und damit einen Beitrag zum Schutz mariner Ökosysteme leisten.

Bilder: Tintenfischkörbe und Sonar-Scans der Körbe, Quelle: THU
Titelbild: Doktorandin Sabrina Lennartz beim Feldtest in Portugal, Quelle: THU